Wenn amici echte Freunde sind

Jetzt steht sie da! So viele helfende Hände haben meine Baby Korrex von Berlin nach Regensburg verfrachtet. „Baby Korrex“ – so wird die „Korrex Stuttgart“ tatsächlich genannt, weil sie die kleinste in dieser Baureihe von präzisen Andruckpressen aus den 1960er Jahren ist. Nur 250 Kilo wiegt sie… also quasi ein Federgewicht. Wir haben sie aus der Werkstatt des Druckermeisters Hendrik Liersch (Corvinus Presse) geholt, der für seine Künstlerbücher bekannt ist. Die Druckerei befindet sich in einem verwunschenen Berliner Hinterhof, in dem sommertags sogar Kiwis wachsen.

Richard, der junge Filmemacher, der schon bei meinem Umzug in die neuen Räume so geholfen hat, war tatsächlich extra aus Dresden angereist, um uns beim Verladen der Presse zu helfen! Unglaublich!

Gemeinsam konnten wir das Elefantenbaby dann relativ flott und problemlos in den angemieteten Transporter verfrachten.

Zurück in Regensburg bestand die Herausforderung darin, die Presse aus dem Transporter raus- und dann über das sehr holprige Kopfsteinpflaster in meine Werkstattgalerie reinzukriegen. Und da geht doch wirklich nichts über wunderbare Nachbarschaftshilfe! Chris vom Amici – unserem Lieblingsrestaurant gleich um die Ecke – hat spontan Mitarbeiter zusammengetrommelt und dann haben 6 Männer die Korrex aus dem Auto raus auf einen Hubwagen gehoben. Großartig! Und nach nicht einmal einer Stunde war die Presse dann bei mir eingezogen.

Zwei Tage lang habe ich sie nun geschrubbt und geputzt und jetzt steht sie da, mittendrin und glänzend, bereit für ihren ersten Einsatz.

Im Vorfeld hatte ich mir wirklich große Sorgen gemacht, ob und wie wir das Kind schaukeln werden. Und jetzt war alles gar nicht schlimm. So ist das wohl, wenn amici echte Freunde sind!

Ein Nordlicht im Süden

Vor einigen Wochen wurde bei mir gedreht und am 17. März wurde der sechsminütige Fernsehbeitrag über mich und meine Werkstattgalerie nun im BR ausgestrahlt. Zu sehen ist das Portrait auf  YouTube  und in der ARD Mediathek in der Sendereihe ▶️ „Wir in Bayern“.

Normalerweise fühle ich mich vor der Kamera unwohl und befangen, aber bei diesem Dreh war alles entspannt, das Team vom BR war sehr freundlich und wir hatten viel Spaß. Ein schöner Beitrag ist es geworden und ich danke der Autorin Andrea Köppler und dem Kameramann Volker Schmidt.

Noch eine weitere Neuigkeit gibt es im Blinkfüer: Morgen fahren wir nach Berlin und bringen am Mittwoch eine neue alte Druckpresse von Kreuzberg nach Regensburg. Es handelt sich um eine „Korrex Stuttgart“, eine  hochwertige, manuelle Andruckpresse des Herstellers Max Simmel, die vor allem in den 1960er Jahren produziert wurde. Sie wird auch „Baby Korrex“ genannt, weil sie das Leichtgewicht unter diesen Pressen ist. Nur 250 Kilo wiegt sie…

Der Transport ist bei jeder größeren Presse der pure Horror! Mit Schrecken erinnere ich mich an die Aktion vor dreieinhalb Jahren, als wir meinen Trettiegel von Lübeck nach Regensburg brachten!

Drückt uns die Daumen, dass wir die Korrex in den Wagen rein- und auch wieder rausbekommen… Leider kann man bei mir nicht mit dem Auto vorfahren und die Presse muss mit einem Hubwagen über das holprige Kopfsteinpflaster gezogen werden. Oder getragen werden. Oder so… 😱

Aus diesem Grund bleibt das Handdruckatelier am Mittwoch und Donnerstag (25. & 26.3.) geschlossen.

Nie wieder kaufe ich eine alte Presse! Niemals! Nie! Erinnert mich daran!

Tag der Druckkunst

Zahlreiche Interessierte kamen gestern zum „Tag der Druckkunst“ in die Werkstattgalerie. Etwa 80 bis 100 Besucher*innen informierten sich voller Interesse über die verschiedenen Drucktechniken und wer wollte, konnte selbst Hand anlegen. Zum ersten Mal hatte ich drei Gäste eingeladen (sonst immer nur einen) und ich war etwas nervös, ob es oben in der Werkstatt nicht zu eng oder zu laut wird (es war schließlich eine Premiere in meinen neuen Räumen). Aber es klappte ganz wunderbar und alle waren zufrieden (und wir vier Ausstellenden am Abend dann auch ganz schön platt).

Hein Schmid übertrug sein Photo einer „Gemeinen Stubenfliege“ in einen Linolschnitt.

Stefan Alt stellte den Pflanzen- und Tetrapackdruck vor.

Von Besucher*innen gedruckte Blätter

Ich habe den Handpressendruck an meinem 150 Jahre alten Boston Tiegel erläutert und vorgeführt. Besucher*innen konnten selbst ein Lesezeichen oder eine Karte drucken. Richard Schleich, der extra aus München angereist war, demonstrierte den japanischen „Gyotaku“, den Fischdruck: Vor etwa 200 Jahren entwickelten Fischer diese Drucktechnik um ungewöhnlichen Fang zu dokumentieren. Es bedarf einiger Vorbereitungen des „Druckstocks“ bevor dann mit sehr viel Fingerspitzengefühl vom echten Fisch gedruckt wird.

Hier seht ihr meinen zweiten Gyotaku. Bin ein bisschen stolz, auch wenn da noch viel Luft nach oben ist. Aber, learning by doing und Erfahrungswerte (etwa bei der Papierwahl, der Konsistenz der angemischten Farbe, der Menge des Farbauftrags oder auch bei der Kolorierung) werden sich dann mit der Zeit einstellen.Die Vorbereitungen des Fisches kosten mich doch einige Überwindung, aber ich werde trotzdem dranbleiben, da die Technik einfach zu spannend ist!

Und heute mache ich einfach mal nichts. Kein Drucken, keine Werkstatt, kein Reden, rein gar nichts! Und das mit voller Hingabe! Genießt den Sonntag ihr Lieben.

Sesam, öffne dich!

Die Blinkfüer Werkstattgalerie wird ab jetzt immer wieder mal Teil einer besonderen Regensburger Stadtführung sein: Der „Sesam, öffne dich!“ Führung. Neun Stadtführer*innen begleiten hier jeweils kleine Gruppen an Orte, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind, so z.B. die Werkstatt einer Geigenbauerin, eines Hutmachers, einer Bürstenbinderin, oder eben einer Handdruckerin. Meine erste – englischsprachige – Führung wird im April für Gäste aus China und Indien stattfinden. Das wird spannend!

Nächsten Samstag, am 14.3., findet von 11 bis 16 Uhr im Blinkfüer der „Tag der Druckkunst“ statt. 2018 wurden die traditionellen künstlerischen Drucktechniken in das immaterielle UNESCO Kulturerbe aufgenommen. Seit 2019 gibt es daher jedes Jahr um den 15. März herum deutschland- und mittlerweile europaweit Druckaktionen in Werkstätten, Ateliers und Museen. Dieses Jahr habe ich drei Gäste eingeladen: Hein Schmid, der Zeichnung und Linoldruck vorstellt, Stefan Alt zeigt Pflanzendruck und der Münchner Richard Schleich führt uns in die traditionelle japanische Technik des „Gyotaku“, des Fischdrucks, ein.

„Gyotaku“, Richard Schleich 2026

Ich werde den Handpressendruck erläutern und vorführen. Dieser Feiertag jährt sich nun schon zum achten Mal und ich freue mich immer wie ein Kind darauf!

„Haferzweige“, Linolschnitt Blinkfüer 2026

Heute sind Kommunalwahlen und ich hoffe sehr auf eine hohe Beteiligung und ein klares Votum für die demokratischen Parteien!

„Mensch“
Typografischer Handpressendruck, Blinkfüer 2025

Dankeschön!

In den letzten Wochen habe ich so viele schöne Geschenke bekommen, dass ich ganz gerührt bin!

Die Wohnung einer sehr freundlichen und langjährigen Kundin wurde aufgelöst und ihre Nichte brachte mir (neben anderen schönen Dingen) ein 120 Jahre altes Teetischchen vorbei, „weil es doch so gut in die Werkstattgalerie passt“. Wie lieb von ihr!

Am Donnerstag kamen drei Pragerinnen in meine Galerie und, wie so oft, ergab sich ein sehr schönes Gespräch zwischen uns (auf Englisch). Die jüngste von ihnen, Zoë, grade einmal 12 Jahre alt, konnte kein Englisch und begann stattdessen während unserer Unterhaltung zu skizzieren und hier ist ihre Zeichnung. Was für ein begabtes Mädchen! (Das Photo poste ich mit ihrem und ihrer Mutter Einverständnis).

Dann besuchte mich eine Lehrerin, an deren Schule alle großen alten Schulwandkarten weggeworfen werden. Sie hat an mich gedacht und mir einen ganzen Schwung davon vorbei gebracht (und diese Wandkarten sind richtig schwer, sag ich euch).

Uuuund, bei mir wurde für das Bayerische Fernsehen gedreht. Ein sehr nettes Drehteam war da, und wir hatten viel Spaß. Der Sendetermin steht noch nicht fest, der Beitrag soll aber demnächst im Format „Wir in Bayern“ ausgestrahlt werden und mein Dank gilt der Autorin und Regisseurin Andrea Köppler.

Der März ist da und mit ihm steht der – zunächst noch bundesweite – „Tag der Druckkunst“ nun schon zum achten Mal vor der Tür. Mittlerweile hat sich dieser schöne Feiertag auf verschiedene europäische Länder ausgeweitet und entsprechende Veranstaltungen sind auch in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Italien und Frankreich zu finden. Von Beginn an beteilige ich mich mit dem Blinkfüer Handdruckatelier und öffne jedes Jahr meine Werkstatt für interessierte Besucher*innen. Das Kulturjournal Regensburg hat meine Veranstaltung am 14. März dankeswerterweise schonmal angekündigt.

Stefan Alt, letztes Jahr noch als Besucher beim Tag der Druckkunst, wird dieses Jahr als Drucker dabei sein. Bei einem Vorgespräch in meiner Werkstatt hat er dieses schöne kleine Stillleben meines handgeschnittenen Logo-Stempels aufgenommen.

Et voilà, das war sie, meine Danksagung und es ist ein etwas längerer Newsletter geworden, aber es war ja auch ganz schön viel los hier. Genießt den schönen Sonntag – endlich mit Sonne und Vogelgezwitscher! Lasst es euch gut gehen.