Sonne, Mond und Sterne

Diese Woche ist ein neuer Pierrot Kunstdruck mit der ermunternden Aufforderung der Dichterin Mascha Kaléko entstanden. Ich gebe zu, ein wenig verliebt bin ich schon in meinen eleganten „Sonne, Mond und Sterne Herrn“. Gedruck ist er auf handgeschöpftes Japanpapapier. Nach dem Trocknen habe ich ihn ausgeschnitten und auf eine Sternenkarte der nördlichen Hemisphäre appliziert. Dass seine Augenbrauen und vor allem auch seine Lippen so prominent wirken, liegt daran, das er als anständiger Weißclown natürlich ausdrucksstark geschminkt ist.

Auch dass mein Pierrot ein wenig aus dem Rahmen tanzt bzw. darüber hinausragt, gefällt mir sehr – ein bisschen eigensinnig, wie das eben so seine Art ist…

Das Besticken einzelner Elemente ist jedes Mal eine Herausforderung, da das Papier der historischen Karten häufig schon ein wenig mürbe und daher bruchanfällig ist.

Kunstdruck auf historischer Sternenkarte, bestickt. Gerahmt im Passepartout 40x50cm. Unikat

Damit er sich nicht so einsam fühlt auf seiner Karte der „Horizontlehre“ (so ein wunderbares Wort), stelle ich ihm noch meine typografisch gedruckte Kunstkarte an die Seite.

Handpressendruck auf Büttenpapier

Und – recht selten bei mir – gibt es zum Pierrot Kunstdruck auch eine Handpressenkarte mit demselben Text. Von Hand gesetzt aus einer namenlosen Jugendstilbleischrift und mit meiner 150 Jahre alten Boston Tiegelpresse per Muskelkraft auf voluminöses Büttenpapier gedruckt.

Handpressen- & Linoldruck

Jetzt noch ein klitzekleiner Hüpfer rüber vom Pierrot hin zum Fisch: Mein Premieren Gyotaku (japanischer Fischdruck) vom hiesigen „Tag der Druckkunst“ im März ist nun endlich auch handkoloriert, auf Passepartout aufgezogen und gerahmt. Da im März noch Schonzeit für die heimischen Fische ist, gab es keine große Auswahl an fangfrischem Fisch, aber, auch wenn er vielleicht etwas klein ist, so mag ich ihn doch sehr!

Gyotaku, koloriert. Gerahmt im Passepartout 40x30cm

Tag der Druckkunst

Zahlreiche Interessierte kamen gestern zum „Tag der Druckkunst“ in die Werkstattgalerie. Etwa 80 bis 100 Besucher*innen informierten sich voller Interesse über die verschiedenen Drucktechniken und wer wollte, konnte selbst Hand anlegen. Zum ersten Mal hatte ich drei Gäste eingeladen (sonst immer nur einen) und ich war etwas nervös, ob es oben in der Werkstatt nicht zu eng oder zu laut wird (es war schließlich eine Premiere in meinen neuen Räumen). Aber es klappte ganz wunderbar und alle waren zufrieden (und wir vier Ausstellenden am Abend dann auch ganz schön platt).

Hein Schmid übertrug sein Photo einer „Gemeinen Stubenfliege“ in einen Linolschnitt.

Stefan Alt stellte den Pflanzen- und Tetrapackdruck vor.

Von Besucher*innen gedruckte Blätter

Ich habe den Handpressendruck an meinem 150 Jahre alten Boston Tiegel erläutert und vorgeführt. Besucher*innen konnten selbst ein Lesezeichen oder eine Karte drucken. Richard Schleich, der extra aus München angereist war, demonstrierte den japanischen „Gyotaku“, den Fischdruck: Vor etwa 200 Jahren entwickelten Fischer diese Drucktechnik um ungewöhnlichen Fang zu dokumentieren. Es bedarf einiger Vorbereitungen des „Druckstocks“ bevor dann mit sehr viel Fingerspitzengefühl vom echten Fisch gedruckt wird.

Hier seht ihr meinen zweiten Gyotaku. Bin ein bisschen stolz, auch wenn da noch viel Luft nach oben ist. Aber, learning by doing und Erfahrungswerte (etwa bei der Papierwahl, der Konsistenz der angemischten Farbe, der Menge des Farbauftrags oder auch bei der Kolorierung) werden sich dann mit der Zeit einstellen.Die Vorbereitungen des Fisches kosten mich doch einige Überwindung, aber ich werde trotzdem dranbleiben, da die Technik einfach zu spannend ist!

Und heute mache ich einfach mal nichts. Kein Drucken, keine Werkstatt, kein Reden, rein gar nichts! Und das mit voller Hingabe! Genießt den Sonntag ihr Lieben.

Sesam, öffne dich!

Die Blinkfüer Werkstattgalerie wird ab jetzt immer wieder mal Teil einer besonderen Regensburger Stadtführung sein: Der „Sesam, öffne dich!“ Führung. Neun Stadtführer*innen begleiten hier jeweils kleine Gruppen an Orte, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind, so z.B. die Werkstatt einer Geigenbauerin, eines Hutmachers, einer Bürstenbinderin, oder eben einer Handdruckerin. Meine erste – englischsprachige – Führung wird im April für Gäste aus China und Indien stattfinden. Das wird spannend!

Nächsten Samstag, am 14.3., findet von 11 bis 16 Uhr im Blinkfüer der „Tag der Druckkunst“ statt. 2018 wurden die traditionellen künstlerischen Drucktechniken in das immaterielle UNESCO Kulturerbe aufgenommen. Seit 2019 gibt es daher jedes Jahr um den 15. März herum deutschland- und mittlerweile europaweit Druckaktionen in Werkstätten, Ateliers und Museen. Dieses Jahr habe ich drei Gäste eingeladen: Hein Schmid, der Zeichnung und Linoldruck vorstellt, Stefan Alt zeigt Pflanzendruck und der Münchner Richard Schleich führt uns in die traditionelle japanische Technik des „Gyotaku“, des Fischdrucks, ein.

„Gyotaku“, Richard Schleich 2026

Ich werde den Handpressendruck erläutern und vorführen. Dieser Feiertag jährt sich nun schon zum achten Mal und ich freue mich immer wie ein Kind darauf!

„Haferzweige“, Linolschnitt Blinkfüer 2026

Heute sind Kommunalwahlen und ich hoffe sehr auf eine hohe Beteiligung und ein klares Votum für die demokratischen Parteien!

„Mensch“
Typografischer Handpressendruck, Blinkfüer 2025