Blau, Blau, Blau

Cyanotypie, auch Eisenblaudruck oder Blaudruck genannt,  ist ein fotografisches Edeldruckverfahren von 1842, das für seine (tief)blaue Farbe bekannt ist. Man benötigt dafür lichtempfindliche Chemikalien, UV-Licht bzw. Sonne und Wasser (und nicht gerade wenig Erfahrungswerte). Dieses Druckverfahren interessiert mich schon seit langem und heute konnte ich endlich an einem entsprechenden Workshop des französischen Künstlers Ismael Peltreau teilnehmen.

Grundlage für die Cyanotypie war eins meiner Fotos (Fische natürlich! Wen wunderts).

Das Foto wird zunächst in Schwarz/Weiß konvertiert und dann auf eine Overheadfolie gedruckt. Das so erzeugte Negativ wird dann auf zuvor mit lichtempfindlichen Chemikalien bestrichenes Papier gelegt und durch Sonneneinwirkung belichtet.

Die Belichtungszeit hängt von der Intensität der Sonneneinstrahlung ab. Zum Trocknen wird das tropfnasse Papier aufgehängt. Von mehreren Versuchen ist dies hier das Ergebnis, welches mir am besten gefällt:

Cyanotypie „Kois“

Uuund: Gestern vor einem Jahr habe ich die Schlüssel zu meinen neuen Räumen in der Unteren Bachgasse 6 bekommen! Ich freue mich immer noch wie ein Kind über meine schöne neue Werkstattgalerie und bin bis heute dankbar für die Umzugshilfe so vieler freundlicher Menschen!

Vorher – Nachher

Sozusagen ein blaues Jubiläum also.

Von Farbe, Fischen und Fenstern

Einen schönen Neuzugang für die Werkstatt hat mir der Paketbote diese Woche gebracht: Stattliche 40 cicero (18 cm) große Holzlettern aus Frankreich. Sie haben ganz schön nach Keller gemüffelt, aber nach einer ausgiebigen Reinigung hat sich der Geruch verzogen und alte, verkrustete Farbreste sind auch runter vom Ahornholz (für Plakatlettern wurde traditionell kurzfaseriges Hartholz, meist vom Ahorn-, Birnen- oder Buchsbaum verwendet). Leider kann ich die Schriftart nicht zuordnen. Vielleicht kennt ja jemand von euch den Namen?

Am Freitag hatte ich Besuch von der Schriftsetzermeisterin Christa Schwarztrauber aus München, wo sie ihre Handsatzwerkstatt „Fliegenkopf“ betreibt. Ein Geschenk brachte sie mir auch mit: Das wunderbare Künstlerbuch „Fisch & Meer“ aus ihrer eigenen Werkstatt. Von diesem Buch gibt es nur 50 Exemplare und ich fühle mich sehr geehrt, nun eines davon zu besitzen!

Eine neue „Glückwärts“ Typografik ist auch gedruckt und gerahmt und wartet nun auf eine Liebhaber*in. Auch wenn ich dieses Wortspiel immer mal wieder drucke, so ist doch jeder Druck ein Unikat, da ich die Farben anmische, manchmal die Umlautpunkte durch ein E ersetze und auch die historische Landkarte, die als Hintergrund fungiert, jedesmal eine andere ist.

Typografik „Glückwärts“. Handpressendruck mit historischen Holzlettern auf alter Landkarte. Gerahmt im freigestellten Passepartout (Museumsqualität) 50 x 60cm.

Der Regensburger Dom feiert sein 750 jähriges Jubiläum und aus diesem Anlass habe ich – endlich – den ersten Probedruck eines 30 cm hohen Künstlerklischees abgezogen. Abgebildet sind die historischen Glasfenster des Hochchores aus der Zeit von 1300 bis 1330. Ganz hingerissen bin ich von diesem zarten Druck!

Glasfenster Dom St. Peter, Regensburg

Auch wenn einige von euch diesen Handpressen- Linoldruck vielleicht schon kennen, hier nochmal der expressionistisch anmutende Dom im Dächer- und Fenstermeer. Ach, dieses Bild liebe ich sehr! (Entschuldigt die Spiegelungen auf dem Glas, das große Fenster meiner Werkstattgalerie lässt das Licht bis in die kleinste Ecke hinein.)

Handpressen- & Linoldruck. Dom St. Peter, Regensburg. Gerahmt im Passepartout (Museumsqualität) 30 x 40cm.

Und wo wir schon beim Dom sind: Hier noch ein Photo von mir, dass ich schon 2018 aufgenommen und mit dem ich den 3. Platz in einem Fotowettbewerb gewonnen habe. Wir waren, genauso wie unser Nachbar, mit dem Fotoapparat auf unser Turmdach geklettert, um auf den Blutmond zu warten. Wegen zu starker Bewölkung war er leider gar nicht zu sehen, dafür aber waren die Domtürme umso schöner!

St. Peter, Regensburg

Zur Jubiläumsfeier gibt es zur Zeit jeden Mittwoch Konzerte an der großen Orgel mit verschiedenen Gastorganisten. So etwa konnte ich dem Organisten von Notre Dame, Olivier Latry, zuhören und das war wirklich ein beeindruckendes Erlebnis!

Federleicht

Die reinste Kinderstube ist der kleine Hof vor meiner Werkstattgalerie gerade: Überall hüpft, flattert und quietscht es. Die jungen Ästlinge haben ihre Nester im Efeu verlassen und üben jetzt das Fliegen… Sehr süß anzusehen, wie die kleinen Spatzen, Grünfinken und Schwälbchen sich so eifrig abmühen, es ihren Eltern gleichzutun, welche gänzlich mühelos – und manchmal auch sehr elegant (Schwalben) – durch den Luftraum segeln.

Ein bisschen schwer ist es also schon mit der Leichtigkeit… Aber die kleinen Hüpfer lassen sich nicht entmutigen und werden von Tag zu Tag gewandter bei ihren Flugmanövern.

Handdruck aus der Post Antiqua von Herbert Post, 1932

Die süßen Federfreunde – von denen sich übrigens einer kurzzeitig in meine Gallerie verflattert und die Korrex zu seinem neuen  Luftposten erklärt hatte – erinnerten mich daran, dass es mal wieder an der Zeit wäre, Luftpostgrüße zu drucken und so habe ich den Karton mit den Federn rausgesucht und mir schöne Worte einfallen lassen. Et voilà!

Über mein zauberhaftes Bullaugenfenster freue ich mich wirklich jeden Tag aufs Neue und kann absolut nicht begreifen, warum meine Vormieter diese Schönheit mit blickdichter Folie zugekleistert hatten. Versteh einer die Menschen…

Beim Bedrucken der Federn fiel mir einer meiner schönen Kunstdrucke wieder ein. Die ersten Zeilen des Gedichtes „Wenn ich eine Wolke wäre“ der wunderbaren Mascha Kaléko habe ich schon vor einiger Zeit auf eine alte Luftfahrtkarte gedruckt. Von dieser Typografik konnte ich mich einfach nicht trennen und so hängt sie nun bei uns zu Hause.

Handsatz aus einer namenlosen französischen Jugendstilschrift. Handdruck auf historischem aeronautical chart

Ein wenig Wolkenleichtigkeit könnten wir doch gerade alle ganz gut gebrauchen, oder? In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen Tag voller Leichtigkeit und Freude.