Von Farbe, Fischen und Fenstern

Einen schönen Neuzugang für die Werkstatt hat mir der Paketbote diese Woche gebracht: Stattliche 40 cicero (18 cm) große Holzlettern aus Frankreich. Sie haben ganz schön nach Keller gemüffelt, aber nach einer ausgiebigen Reinigung hat sich der Geruch verzogen und alte, verkrustete Farbreste sind auch runter vom Ahornholz (für Plakatlettern wurde traditionell kurzfaseriges Hartholz, meist vom Ahorn-, Birnen- oder Buchsbaum verwendet). Leider kann ich die Schriftart nicht zuordnen. Vielleicht kennt ja jemand von euch den Namen?

Am Freitag hatte ich Besuch von der Schriftsetzermeisterin Christa Schwarztrauber aus München, wo sie ihre Handsatzwerkstatt „Fliegenkopf“ betreibt. Ein Geschenk brachte sie mir auch mit: Das wunderbare Künstlerbuch „Fisch & Meer“ aus ihrer eigenen Werkstatt. Von diesem Buch gibt es nur 50 Exemplare und ich fühle mich sehr geehrt, nun eines davon zu besitzen!

Eine neue „Glückwärts“ Typografik ist auch gedruckt und gerahmt und wartet nun auf eine Liebhaber*in. Auch wenn ich dieses Wortspiel immer mal wieder drucke, so ist doch jeder Druck ein Unikat, da ich die Farben anmische, manchmal die Umlautpunkte durch ein E ersetze und auch die historische Landkarte, die als Hintergrund fungiert, jedesmal eine andere ist.

Typografik „Glückwärts“. Handpressendruck mit historischen Holzlettern auf alter Landkarte. Gerahmt im freigestellten Passepartout (Museumsqualität) 50 x 60cm.

Der Regensburger Dom feiert sein 750 jähriges Jubiläum und aus diesem Anlass habe ich – endlich – den ersten Probedruck eines 30 cm hohen Künstlerklischees abgezogen. Abgebildet sind die historischen Glasfenster des Hochchores aus der Zeit von 1300 bis 1330. Ganz hingerissen bin ich von diesem zarten Druck!

Glasfenster Dom St. Peter, Regensburg

Auch wenn einige von euch diesen Handpressen- Linoldruck vielleicht schon kennen, hier nochmal der expressionistisch anmutende Dom im Dächer- und Fenstermeer. Ach, dieses Bild liebe ich sehr! (Entschuldigt die Spiegelungen auf dem Glas, das große Fenster meiner Werkstattgalerie lässt das Licht bis in die kleinste Ecke hinein.)

Handpressen- & Linoldruck. Dom St. Peter, Regensburg. Gerahmt im Passepartout (Museumsqualität) 30 x 40cm.

Und wo wir schon beim Dom sind: Hier noch ein Photo von mir, dass ich schon 2018 aufgenommen und mit dem ich den 3. Platz in einem Fotowettbewerb gewonnen habe. Wir waren, genauso wie unser Nachbar, mit dem Fotoapparat auf unser Turmdach geklettert, um auf den Blutmond zu warten. Wegen zu starker Bewölkung war er leider gar nicht zu sehen, dafür aber waren die Domtürme umso schöner!

St. Peter, Regensburg

Zur Jubiläumsfeier gibt es zur Zeit jeden Mittwoch Konzerte an der großen Orgel mit verschiedenen Gastorganisten. So etwa konnte ich dem Organisten von Notre Dame, Olivier Latry, zuhören und das war wirklich ein beeindruckendes Erlebnis!

Typografische Suchspiele

Seit längerem kam ich diese Woche endlich mal wieder dazu, Schreib- und Skizzenbücher zu bedrucken. Jedes für sich ist ein Unikat und ich liebe diese Bücher sehr.

Was mir bei der Arbeit hier besonders gefällt, ist, dass ich mich beim Drucken dieser Kleinode einmal quer durch mein Sortiment an Plakatlettern wühlen kann – ich fühle mich dabei ein wenig wie ein Kind auf Schatzsuche, das mit Bauklötzen spielt… Auch das leise Klacken der Lettern erinnert mich an das Geräusch früher beim Bauen mit den bunten Holzklötzchen.

Schriftart „Herold“ von 1910

Die wunderschöne Jugendstilschrift, die ich Anfang des Jahres von dem Hamburger Künstler Klaus Raasch kaufen durfte, habe ich gestern zum ersten Mal gedruckt und ich bin ganz verliebt! Der zarte Schwung beim „i“ ist doch wirklich zauberhaft, oder?!

Das gelbe Klötzchen rechts neben dem Buch ist die Unterseite des große „Z“ und Klaus hat wohl vor Jahren dieses gelbe „Auto? Nein Danke!“ Papier unter die Letter geklebt, um so ihre Schrifthöhe anzuheben. Solch kleine Spuren finde ich häufiger unter den Holzbuchstaben – manchmal sind es sogar handbeschriebene Papierschnipsel, die von ihren Vorbesitzern erzählen.

Gestern gab es hier ein Fußballspiel zwischen dem hiesigen Verein und Cottbus, bei dem Regensburg verloren hat. Eine Menge Fans hatten entsprechend miese Laune. Einer von Ihnen ging vor meinem Laden vorbei und der Streit der folgte, weil ich einen Fan Aufkleber von einer der Lampen neben meiner Tür entfernte, war übel – auch deshalb, weil er mich um mindestens zwei Köpfe überragte und kräftig getankt hatte. Mir ging ganz schön die Flatter und kurz bevor ich schließlich die Polizei rufen wollte dämmert ihm dann, das ich keine fussballfeindliche Touristin bin, sondern mir der Laden gehört und das führte zu einer völligen Umkehr des Geschehens: Er entschuldigte sich ausgiebig bei mir um sich dann, nach einem längeren Gespräch mit einem festen Händedruck zu verabschieden. Puh!! Grade nochmal gut gegangen!

Ich schicke euch Grüße aus der – aufgeräumten – Werkstatt in den Sonntag. Die schöne Pfingstrose hat mir gestern ein an der Ladentür vorbeiflanierender Passant geschenkt – so kann ich diese Sonntagspost mit einem positiven Akkord beenden.

Willkommen, bienvenue, welcome!

Ein herzlichen Willkommen all meinen neuen – und alten – Abonnenten! Schön, daß ihr hier seid!

Am Freitag habe ich große, leuchtend orangene Halbsonnen gedruckt und die Blätter auf die Trockenleiste gehängt. Alles gut soweit, bis, ja bis ein Windstoß durch die offene Ladentür hereingefegt ist… Anfänglich tanzten die Drucke noch fröhlich im Luftzug, bis dann die noch feuchten Sonnen aneinander kleben blieben! Ich hatte sie etwas eng gehängt, was ohne Windhauch auch ok gewesen wäre. Der hellorange Schatten neben der Sonne gefällt mir allerdings ausgesprochen gut. Schaun wir mal, was mir zu ihm so einfällt…

Sobald die Sonnen getrocknet sind, wird der mehrfarbige Text für einen Unikatdruck hinzugefügt:Die angemischten Farben erinnern mich so schön an Campino Bonbons, die ich immer noch gerne lutsche (am liebsten mag ich die ganz dunklen – Johannisbeere – glaub ich).

Glückwärts gehen!

Einen geruhsamen Sonntag allerseits! Auch wenn bei uns das große Grau herrscht und mich nichts nach draußen zieht, genieße ich doch die freie Zeit mit einem Buch und einer Tasse dampfenden Tees (Klischee ☺️).

Eine neue Typografik ist diese Woche entstanden: „Aufwachen Atmen Anfangen!“ Die Farben erinnern mich an Campinos, die Lieblingsfruchtbonbons meiner Kindheit.

Das schöne „Glückwärts gehen!“ auf dem charmanten Vorsatzpapier aus den 50er Jahren hat gestern neue Liebhaber gefunden. Bevor ich es reisefertig verpackt habe, konnte ich es schnell noch fotografieren. Beide Typografiken messen mit freigestelltem Passepartout (aus Museumskarton) und gerahmt 50x60cm.

Spielerein

Besonders viel Freude macht mir das Gestalten und Drucken, wenn die Grenze zwischen Arbeit und Spiel verschwimmt, was vor allem bei meinen Notiz- und Skizzenbüchern der Fall ist. Hier ordne ich die Worte als typografische Suchspiele an.Notizbuch DIN A4, von Hand mit historischen Holzlettern bedruckt.

Viel Besuch…

…gab’s diese Woche: Erst kam mich der Buchdrucker und Maschinenmeister Walter aus Hamburg besuchen und hat sich direkt an die Arbeit gemacht und sich um mein Sorgenkind, den kleinen Trettiegel, gekümmert. Leider hat sich dabei meine Befürchtung bestätigt: dieser schöne Tiegel ist nur sehr bedingt druckfähig und eine Reparatur würde enorm teuer werden. Walter hat ihn soweit wieder hingekriegt, dass ich ihn nun für sehr sehr kleine Auflagen benutzen kann (hoffentlich!).

Die nächste Besucherin war meine LieblingsLena aus Leipzig, die sich auf ihren Regensburg Besuchen auch immer in meiner Handdruckei blicken lässt. Sie hat mir geholfen, meinen Neuzugang, eine schöne 14 Cicero Antiqua Holzschrift, zu waschen.  Und schließlich habe ich gestern dann noch ein wenig mit meiner seltenen und ganz ungewöhnlichen „Delfino“ Holzschrift gespielt. Rundum waren es schöne Arbeitstage diese Woche.