Seit längerem kam ich diese Woche endlich mal wieder dazu, Schreib- und Skizzenbücher zu bedrucken. Jedes für sich ist ein Unikat und ich liebe diese Bücher sehr.
Was mir bei der Arbeit hier besonders gefällt, ist, dass ich mich beim Drucken dieser Kleinode einmal quer durch mein Sortiment an Plakatlettern wühlen kann – ich fühle mich dabei ein wenig wie ein Kind auf Schatzsuche, das mit Bauklötzen spielt… Auch das leise Klacken der Lettern erinnert mich an das Geräusch früher beim Bauen mit den bunten Holzklötzchen.

Schriftart „Herold“ von 1910
Die wunderschöne Jugendstilschrift, die ich Anfang des Jahres von dem Hamburger Künstler Klaus Raasch kaufen durfte, habe ich gestern zum ersten Mal gedruckt und ich bin ganz verliebt! Der zarte Schwung beim „i“ ist doch wirklich zauberhaft, oder?!
Das gelbe Klötzchen rechts neben dem Buch ist die Unterseite des große „Z“ und Klaus hat wohl vor Jahren dieses gelbe „Auto? Nein Danke!“ Papier unter die Letter geklebt, um so ihre Schrifthöhe anzuheben. Solch kleine Spuren finde ich häufiger unter den Holzbuchstaben – manchmal sind es sogar handbeschriebene Papierschnipsel, die von ihren Vorbesitzern erzählen.

Gestern gab es hier ein Fußballspiel zwischen dem hiesigen Verein und Cottbus, bei dem Regensburg verloren hat. Eine Menge Fans hatten entsprechend miese Laune. Einer von Ihnen ging vor meinem Laden vorbei und der Streit der folgte, weil ich einen Fan Aufkleber von einer der Lampen neben meiner Tür entfernte, war übel – auch deshalb, weil er mich um mindestens zwei Köpfe überragte und kräftig getankt hatte. Mir ging ganz schön die Flatter und kurz bevor ich schließlich die Polizei rufen wollte dämmert ihm dann, das ich keine fussballfeindliche Touristin bin, sondern mir der Laden gehört und das führte zu einer völligen Umkehr des Geschehens: Er entschuldigte sich ausgiebig bei mir um sich dann, nach einem längeren Gespräch mit einem festen Händedruck zu verabschieden. Puh!! Grade nochmal gut gegangen!
Ich schicke euch Grüße aus der – aufgeräumten – Werkstatt in den Sonntag. Die schöne Pfingstrose hat mir gestern ein an der Ladentür vorbeiflanierender Passant geschenkt – so kann ich diese Sonntagspost mit einem positiven Akkord beenden.

Zwei dieser „Glückwärts“ Typografiken habe ich zur Zeit in der Galerie. An diesen beiden ist gut zu sehen, dass es sich hier jeweils um Unikate handelt: Ich mische die Farben an, drucke manchmal die Umlautpunkte, manchmal ersetze ich sie aber auch durch ein E und jeder Druck hat eine andere historische Land- oder Seekarte als Untergrund (hier sind es die Nordsee und Australien). Gerahmt im freigestellten Passepartout messen die Bilder 50 x 60cm (und sie zu verschicken ist mir leider zu riskant).

Einen besonders schönen Frühlingssommersonnentag wünsche ich euch. Legt mal die Beine hoch!
Das „j“ von „Sej“ hob sich farblich nur schwach vom Hintergrund ab. Da ich bei dieser Typografik aber nur eine Farbe verwenden wollte, habe ich die Buchstaben mit einem türkisfarbenen Faden umnäht, um sie stärker hervorzuheben. Und damit das Gleichgewicht gewahrt bleibt, hat der große Punkt unten rechts ebenfalls eine Naht bekommen. Mit der Nadel musste ich sehr vorsichtig umgehen, da das alte Papier recht fragil ist.
Gerahmt im freigestellten Passepartout misst die Typografik 60x50cm. Unikat.

Ist das schöne Gelb getrocknet, drucke ich den zuvor von Hand gesetzten Text in einem tiefen Petrol.



Typografischer Zweifarbdruck auf historischer Weltkarte, collagiert. Gerahmt 60x50cm
Die „Yes“ Typografik, die die letzten Worte des Molly Bloom Monologs aufgreift, habe ich mit meinen historischen Holzlettern auf die letzten Seiten des „Ulysses“ gedruckt. Das Bullauge auf der rechten Seite hingegen gibt den Blick frei auf den ersten Satz des Romans von James Joyce. Gerahmt 60×30 cm.






