Fensterliebe

Inspiriert von den erleuchteten Fenstern des Priesterseminars der Schottenkirche gegenüber unserer Wohnung habe ich hinter den Fenstern meines Doms ebenfalls die Lichter angeknipst.

Priesterseminar St. Wolfgang

Dom St. Peter, Regensburg. Kunstdruck, gerahmt 40x50cm.

Vor einigen Tagen schrieb mir eine Gästin (ein richtiges altes Wort übrigens) dieses schöne Kompliment, über das ich mich wirklich sehr gefreut habe!

Und vor einem Jahr, am Sonntag den 10.8., sind wir mit meinem Handdruckatelier von der Oberen und die Untere Bachgasse umgezogen. Es haben so viele wunderbare Menschen geholfen (anstatt sich einen wohlverdienten faulen Sonntag zu machen), und der Umzug, vor dem ich solchen Bammel hatte, war in nur 2,5 Stunden erledigt.

Nach getaner Arbeit auf der Dachterrasse meiner neuen Werkstattgalerie (sieben Helfer*innen waren da schon wieder gegangen). Bin auf ewig dankbar für eure Hilfe!

Ansonten bin ich so langsam wirklich im Urlaubsmodus (seit 2,5 Jahren hatte ich jetzt keinen mehr). Bis zum 19. August muss ich mich aber noch gedulden bevor es dann Richtung Oxford geht.

Genießt den Sonntag und kommt alle gut durch die Hitze.

Sonne, Mond und Sterne

Diese Woche ist ein neuer Pierrot Kunstdruck mit der ermunternden Aufforderung der Dichterin Mascha Kaléko entstanden. Ich gebe zu, ein wenig verliebt bin ich schon in meinen eleganten „Sonne, Mond und Sterne Herrn“. Gedruck ist er auf handgeschöpftes Japanpapapier. Nach dem Trocknen habe ich ihn ausgeschnitten und auf eine Sternenkarte der nördlichen Hemisphäre appliziert. Dass seine Augenbrauen und vor allem auch seine Lippen so prominent wirken, liegt daran, das er als anständiger Weißclown natürlich ausdrucksstark geschminkt ist.

Auch dass mein Pierrot ein wenig aus dem Rahmen tanzt bzw. darüber hinausragt, gefällt mir sehr – ein bisschen eigensinnig, wie das eben so seine Art ist…

Das Besticken einzelner Elemente ist jedes Mal eine Herausforderung, da das Papier der historischen Karten häufig schon ein wenig mürbe und daher bruchanfällig ist.

Kunstdruck auf historischer Sternenkarte, bestickt. Gerahmt im Passepartout 40x50cm. Unikat

Damit er sich nicht so einsam fühlt auf seiner Karte der „Horizontlehre“ (so ein wunderbares Wort), stelle ich ihm noch meine typografisch gedruckte Kunstkarte an die Seite.

Handpressendruck auf Büttenpapier

Und – recht selten bei mir – gibt es zum Pierrot Kunstdruck auch eine Handpressenkarte mit demselben Text. Von Hand gesetzt aus einer namenlosen Jugendstilbleischrift und mit meiner 150 Jahre alten Boston Tiegelpresse per Muskelkraft auf voluminöses Büttenpapier gedruckt.

Handpressen- & Linoldruck

Jetzt noch ein klitzekleiner Hüpfer rüber vom Pierrot hin zum Fisch: Mein Premieren Gyotaku (japanischer Fischdruck) vom hiesigen „Tag der Druckkunst“ im März ist nun endlich auch handkoloriert, auf Passepartout aufgezogen und gerahmt. Da im März noch Schonzeit für die heimischen Fische ist, gab es keine große Auswahl an fangfrischem Fisch, aber, auch wenn er vielleicht etwas klein ist, so mag ich ihn doch sehr!

Gyotaku, koloriert. Gerahmt im Passepartout 40x30cm

Blau, Blau, Blau

Cyanotypie, auch Eisenblaudruck oder Blaudruck genannt,  ist ein fotografisches Edeldruckverfahren von 1842, das für seine (tief)blaue Farbe bekannt ist. Man benötigt dafür lichtempfindliche Chemikalien, UV-Licht bzw. Sonne und Wasser (und nicht gerade wenig Erfahrungswerte). Dieses Druckverfahren interessiert mich schon seit langem und heute konnte ich endlich an einem entsprechenden Workshop des französischen Künstlers Ismael Peltreau teilnehmen.

Grundlage für die Cyanotypie war eins meiner Fotos (Fische natürlich! Wen wunderts).

Das Foto wird zunächst in Schwarz/Weiß konvertiert und dann auf eine Overheadfolie gedruckt. Das so erzeugte Negativ wird dann auf zuvor mit lichtempfindlichen Chemikalien bestrichenes Papier gelegt und durch Sonneneinwirkung belichtet.

Die Belichtungszeit hängt von der Intensität der Sonneneinstrahlung ab. Zum Trocknen wird das tropfnasse Papier aufgehängt. Von mehreren Versuchen ist dies hier das Ergebnis, welches mir am besten gefällt:

Cyanotypie „Kois“

Uuund: Gestern vor einem Jahr habe ich die Schlüssel zu meinen neuen Räumen in der Unteren Bachgasse 6 bekommen! Ich freue mich immer noch wie ein Kind über meine schöne neue Werkstattgalerie und bin bis heute dankbar für die Umzugshilfe so vieler freundlicher Menschen!

Vorher – Nachher

Sozusagen ein blaues Jubiläum also.

Von Farbe, Fischen und Fenstern

Einen schönen Neuzugang für die Werkstatt hat mir der Paketbote diese Woche gebracht: Stattliche 40 cicero (18 cm) große Holzlettern aus Frankreich. Sie haben ganz schön nach Keller gemüffelt, aber nach einer ausgiebigen Reinigung hat sich der Geruch verzogen und alte, verkrustete Farbreste sind auch runter vom Ahornholz (für Plakatlettern wurde traditionell kurzfaseriges Hartholz, meist vom Ahorn-, Birnen- oder Buchsbaum verwendet). Leider kann ich die Schriftart nicht zuordnen. Vielleicht kennt ja jemand von euch den Namen?

Am Freitag hatte ich Besuch von der Schriftsetzermeisterin Christa Schwarztrauber aus München, wo sie ihre Handsatzwerkstatt „Fliegenkopf“ betreibt. Ein Geschenk brachte sie mir auch mit: Das wunderbare Künstlerbuch „Fisch & Meer“ aus ihrer eigenen Werkstatt. Von diesem Buch gibt es nur 50 Exemplare und ich fühle mich sehr geehrt, nun eines davon zu besitzen!

Eine neue „Glückwärts“ Typografik ist auch gedruckt und gerahmt und wartet nun auf eine Liebhaber*in. Auch wenn ich dieses Wortspiel immer mal wieder drucke, so ist doch jeder Druck ein Unikat, da ich die Farben anmische, manchmal die Umlautpunkte durch ein E ersetze und auch die historische Landkarte, die als Hintergrund fungiert, jedesmal eine andere ist.

Typografik „Glückwärts“. Handpressendruck mit historischen Holzlettern auf alter Landkarte. Gerahmt im freigestellten Passepartout (Museumsqualität) 50 x 60cm.

Der Regensburger Dom feiert sein 750 jähriges Jubiläum und aus diesem Anlass habe ich – endlich – den ersten Probedruck eines 30 cm hohen Künstlerklischees abgezogen. Abgebildet sind die historischen Glasfenster des Hochchores aus der Zeit von 1300 bis 1330. Ganz hingerissen bin ich von diesem zarten Druck!

Glasfenster Dom St. Peter, Regensburg

Auch wenn einige von euch diesen Handpressen- Linoldruck vielleicht schon kennen, hier nochmal der expressionistisch anmutende Dom im Dächer- und Fenstermeer. Ach, dieses Bild liebe ich sehr! (Entschuldigt die Spiegelungen auf dem Glas, das große Fenster meiner Werkstattgalerie lässt das Licht bis in die kleinste Ecke hinein.)

Handpressen- & Linoldruck. Dom St. Peter, Regensburg. Gerahmt im Passepartout (Museumsqualität) 30 x 40cm.

Und wo wir schon beim Dom sind: Hier noch ein Photo von mir, dass ich schon 2018 aufgenommen und mit dem ich den 3. Platz in einem Fotowettbewerb gewonnen habe. Wir waren, genauso wie unser Nachbar, mit dem Fotoapparat auf unser Turmdach geklettert, um auf den Blutmond zu warten. Wegen zu starker Bewölkung war er leider gar nicht zu sehen, dafür aber waren die Domtürme umso schöner!

St. Peter, Regensburg

Zur Jubiläumsfeier gibt es zur Zeit jeden Mittwoch Konzerte an der großen Orgel mit verschiedenen Gastorganisten. So etwa konnte ich dem Organisten von Notre Dame, Olivier Latry, zuhören und das war wirklich ein beeindruckendes Erlebnis!

Federleicht

Die reinste Kinderstube ist der kleine Hof vor meiner Werkstattgalerie gerade: Überall hüpft, flattert und quietscht es. Die jungen Ästlinge haben ihre Nester im Efeu verlassen und üben jetzt das Fliegen… Sehr süß anzusehen, wie die kleinen Spatzen, Grünfinken und Schwälbchen sich so eifrig abmühen, es ihren Eltern gleichzutun, welche gänzlich mühelos – und manchmal auch sehr elegant (Schwalben) – durch den Luftraum segeln.

Ein bisschen schwer ist es also schon mit der Leichtigkeit… Aber die kleinen Hüpfer lassen sich nicht entmutigen und werden von Tag zu Tag gewandter bei ihren Flugmanövern.

Handdruck aus der Post Antiqua von Herbert Post, 1932

Die süßen Federfreunde – von denen sich übrigens einer kurzzeitig in meine Gallerie verflattert und die Korrex zu seinem neuen  Luftposten erklärt hatte – erinnerten mich daran, dass es mal wieder an der Zeit wäre, Luftpostgrüße zu drucken und so habe ich den Karton mit den Federn rausgesucht und mir schöne Worte einfallen lassen. Et voilà!

Über mein zauberhaftes Bullaugenfenster freue ich mich wirklich jeden Tag aufs Neue und kann absolut nicht begreifen, warum meine Vormieter diese Schönheit mit blickdichter Folie zugekleistert hatten. Versteh einer die Menschen…

Beim Bedrucken der Federn fiel mir einer meiner schönen Kunstdrucke wieder ein. Die ersten Zeilen des Gedichtes „Wenn ich eine Wolke wäre“ der wunderbaren Mascha Kaléko habe ich schon vor einiger Zeit auf eine alte Luftfahrtkarte gedruckt. Von dieser Typografik konnte ich mich einfach nicht trennen und so hängt sie nun bei uns zu Hause.

Handsatz aus einer namenlosen französischen Jugendstilschrift. Handdruck auf historischem aeronautical chart

Ein wenig Wolkenleichtigkeit könnten wir doch gerade alle ganz gut gebrauchen, oder? In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen Tag voller Leichtigkeit und Freude.

Mittsommer

„Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheur oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.“ Bertolt Brecht

Heute ist Sommersonnenwende, der längste Tag des Jahres also, und – wie auch anders – dreht sich hier alles um diesen lachenden Stern des Tages.

Typografik auf historischer Landkarte

Das leuchtende Sonnenmotiv gehört zu meinen liebsten und findet sich auf vielen meiner Handdrucke und Collagen. Oft in Orange oder Indisch Gelb gehalten, vermittelt es eine freudig positive, energiegeladene Grundstimmung auf meinen Druckgrafiken.

„Haferzweige“, Linol- & Handpressendruck, Collage, Stickerei

Rund, rund, rund ist alles, was ich mag! Kreisformen sprechen mich sehr an und ich verwende sie gern und häufig. Ein größerer Punkt oder eben ein farbiger Kreis sind mittlerweile zu meiner Signatur geworden.

Handpressen- & Linoldruck

„St. Peter“, Handpressen- & Linoldruck

Neben den großen Typografiken und Linoldrucken findet ihr bei mir aber auch Sonne to go🔻

Kunstkarte, Handpressendruck

Genießt den Sonntag, das schöne helle Licht (auch wenn sich jetzt gerne mal wieder Regenwolken am Himmel zeigen dürfen), die langen Sommertage, Schwimmvergnügen im Meer, im Fluss oder Freibad, und, auf gar keinen Fall zu vergessen, die wunderbar knackig saftigen Kirschen! Ich kann es kaum glauben, dass die Tage ab morgen schon wieder kürzer werden, gefühlt hat sich der griesgrämige Winter in seinem langen grauen Eismantel doch gerade eben erst zur Ruhe begeben…

Schwalbengrüße

Schon letzten Frühling hatte ich meine Freude an diesem Schwalbenpärchen. Sie nisten jedes Jahr in der Passage zu meiner Werkstattgalerie und ziehen hier ihre Küken auf. Vier Kleine sind es diesmal und die Eltern haben ganz schön zu tun, die hungrigen Schnäbel zu stopfen.

Hier war in der letzten Zeit gräusliches Wetter und es haben sich recht wenig Menschen auf die Straße getraut. Die Kälte und der Regen haben mir jedoch zwei herrlich ruhige Tage geschenkt an denen ich ganz entspannt in meinem Atelier über der Galerie arbeiten und zwischendurch immer wieder die emsigen Schwalbeneltern bei ihren waghalsigen Flugkünsten beobachten konnte.

Entstanden ist ein wunderbar expressionistischer Regensburg Druck, der in seiner Ästhetik an „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von 1920 erinnert.

Quelle: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Und um diese Sonntagspost gewohnt farbig zu beenden, hier noch ein Linoldruck Trio: Es spiegelt die stille, fast meditative Atmosphäre der letzten Tage in und vor meinem Atelier wieder.

„Gib du dem Himmel dein Glück in die Hände…

…Alles geht weiter. Sei heiter. Sei heiter.“

Lange Zeit musste sich mein Pierrot – der übrigens stattliche 25 cm misst – gedulden, bis ich jetzt endlich einen passenden Text für ihn gefunden habe. Gesetzt habe ich ihn aus einer namenlosen Jugendstilschrift.Die ermutigende und vertrauensvolle Aufforderung der Dichterin Mascha Kaléko passt ganz wunderbar zu ihm und der historischen Mondphasenkarte, auf die ich ihn collagiert und gestickt habe. Gedruckt habe ich meinen Pierrot auf handgeschöpftes Japanpapier.

Für das Wort „dein“ müsst ihr zoomen – ich habe es mit einem gelben Faden bestickt, so wie einige der anderen Buchstaben mit einem orangen Faden, auf dem Foto ist das leider kaum zu erkennen.

Ein bisschen verliebt bin ich schon in dieses Bild. Gerahmt misst es 40×50 cm.

Richtungswechsel

Weder vorwärts, noch rückwärts sondern eben Glückwärts gehen! Zwei dieser „Glückwärts“ Typografiken habe ich zur Zeit in der Galerie. An diesen beiden ist gut zu sehen, dass es sich hier jeweils um Unikate handelt: Ich mische die Farben an, drucke manchmal die Umlautpunkte, manchmal ersetze ich sie aber auch durch ein E und jeder Druck hat eine andere historische Land- oder Seekarte als Untergrund (hier sind es die Nordsee und Australien). Gerahmt im freigestellten Passepartout messen die Bilder 50 x 60cm (und sie zu verschicken ist mir leider zu riskant).

Ansonsten ist mir gerade so nach Liegestuhl, was sich von meinen Kunstkarten deutlich ablesen lässt…

Einen besonders schönen Frühlingssommersonnentag wünsche ich euch. Legt mal die Beine hoch!

Gefischtes

Freitags gibt’s ja bekanntlich Fisch:

Die Fotos erzählen vom Entstehungsprozess meiner Linoldrucke. Von der Zeichnung über das Schneiden der Druckplatte bis hin zum fertigen Handdruck. Nach dem Übertragen meiner Zeichnung mittels Blaupapier auf die Linol- oder Holzplatte, wird das Motiv mit sehr scharfen Linolmessern, Vorsicht und großer Konzentration in die Platte geschnitten.

An der Wellenplatte zum Beispiel habe ich 5 Stunden lang gearbeitet… Ein falscher Schnitt, und die Platte ist hin! Sind die Druckplatten nach geraumer Zeit endlich fertig, geht’s ans Mischen der Farbe. Bei den Wellen entscheide ich mich meist für ein besonderes Effektdruckverfahren, den Irisdruck. Hierfür werden verschiedene Farben nebeneinander auf den Farbstein gegeben und dann mit der Handwalze von oben nach unten verrieben. Dadurch entsteht ein Farbverlauf, der bei jedem Druck anders ausfällt und somit jedes Blatt zu einem Unikat macht. Mit der Handwalze wird dann die Druckplatte eingefärbt und Japanpapier aufgelegt, welches mit einem speziellen Glasanreiber mit gleichmäßigem Druck und vorsichtigen Kreisbewegungen auf das Motiv gerieben wird. Ein langer Weg also, bis zum fertigen Handdruck. Slow printing kann man es mit Fug und Recht nennen.

Dieser Prozess wurde auch vom BR in einem Portrait über mich schön eingefangen ➡️ „Die Handdruckerin Susanne Kauth“