„Langes Fädchen…

…faules Mädchen“ sagte meine Mutter immer, weil ich Nähen und generell Handarbeiten wie Stricken und Sticken so gar nicht mochte. Heute allerdings umgarne ich meine Typografiken und Linoldrucke immer mal wieder gerne, so wie hier meine Haferzweige. Das Sticken wird für mich so zu einer Form des Zeichnens mit Nadel und Faden.Entstanden ist eine Collage aus meinem Linoldruck und japanischem, handgeschöpftem und von Hand bedrucktem Katazome Papier (hier mit Schriftzeichen aus der Edo Periode). Ich habe einzelne Zweige mit Stickstichen verlängert, so dass der Bildausschnitt bei dieser Arbeit deutlich größer ist als bei den vorherigen Rahmungen. Das Sticken ermöglicht mir hier also eine schöne Möglichkeit der Variation.

Gerahmt mit Passepartout

Zum Vergleich hier nochmal der kleinere Bildausschnitt:

„Haferzweige“, Linoldruck 2026

Eine Neuauflage meiner „Ich will“ Karte ist auch entstanden. Diesmal in anderen Farben: Calamity Jane prangt hier in Petrol auf dem Büttenpapier und der kleine, spielerisch hingeworfene Dreizeiler leuchtet in orange. Dieses historische Druckklischee brachte mein Sohn mir vor Jahren aus den USA mit und lange Zeit wusste ich nicht so recht, was ich damit anfangen soll, bis mir diese drei Zeilen einfielen. Jetzt passt’s.

Und gestern hatte ich dann noch zwei sehr nette Besucherinnen aus Münster und Stuttgart, die mir eine vor dem Müll gerettete alte Schullandkarte mitbrachten,“weil da ein Leuchtturm drauf ist“. Wie lieb ist das denn! Bin gerührt!

Sesam, öffne dich!

Die Blinkfüer Werkstattgalerie wird ab jetzt immer wieder mal Teil einer besonderen Regensburger Stadtführung sein: Der „Sesam, öffne dich!“ Führung. Neun Stadtführer*innen begleiten hier jeweils kleine Gruppen an Orte, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind, so z.B. die Werkstatt einer Geigenbauerin, eines Hutmachers, einer Bürstenbinderin, oder eben einer Handdruckerin. Meine erste – englischsprachige – Führung wird im April für Gäste aus China und Indien stattfinden. Das wird spannend!

Nächsten Samstag, am 14.3., findet von 11 bis 16 Uhr im Blinkfüer der „Tag der Druckkunst“ statt. 2018 wurden die traditionellen künstlerischen Drucktechniken in das immaterielle UNESCO Kulturerbe aufgenommen. Seit 2019 gibt es daher jedes Jahr um den 15. März herum deutschland- und mittlerweile europaweit Druckaktionen in Werkstätten, Ateliers und Museen. Dieses Jahr habe ich drei Gäste eingeladen: Hein Schmid, der Zeichnung und Linoldruck vorstellt, Stefan Alt zeigt Pflanzendruck und der Münchner Richard Schleich führt uns in die traditionelle japanische Technik des „Gyotaku“, des Fischdrucks, ein.

„Gyotaku“, Richard Schleich 2026

Ich werde den Handpressendruck erläutern und vorführen. Dieser Feiertag jährt sich nun schon zum achten Mal und ich freue mich immer wie ein Kind darauf!

„Haferzweige“, Linolschnitt Blinkfüer 2026

Heute sind Kommunalwahlen und ich hoffe sehr auf eine hohe Beteiligung und ein klares Votum für die demokratischen Parteien!

„Mensch“
Typografischer Handpressendruck, Blinkfüer 2025

Guten Morgen!

So langsam füllt sich meine Werkstattgalerie wieder. Einen meiner absoluten Lieblinge habe ich neu aufgelegt: Mein Hering und sein kleiner Fischer sind wieder zu haben. Für diesen Linolschnitt benutze ich ein spezielles Effektdruckverfahren, den Irisdruck (oder auch Regenbogendruck). Hierfür gebe ich verschiedene Blautöne, Grün und einen Hauch Orange nebeneinander auf den Farbstein und verreibe die Farben von oben nach unten mit der Handwalze, bis sich ein schöner Farbverlauf ergibt. Auf jedem Blatt changiert der Hering nun in verschiedenen Nuancen und jeder Druck wird so zum Unikat.An meinem jüngsten Linolschnitt, den filigranen Haferzweigen, schneide ich immer noch nach jedem Einfärben Teile aus der Platte heraus, die nicht mitdrucken sollen. Eine Herausforderung, vor allem, weil bei diesen zarten Linien ein falscher Schnitt zum Ruin führen kann!Bevor nun das Leitmotiv in schwarz gedruckt wird, drucke ich die große neonorangene Sonne. Orange ist eine meiner Lieblingsfarben (habt ihr wahrscheinlich schon bemerkt), so leuchtend und energiegeladen! Ist die erste Farbe getrocknet, wird die zweite gedruckt. Und, tadaaa, es sind drei schöne, randscharfe Drucke gelungen.

„Haferzweige“
Linoldruck, Blinkfüer 2026

Und auch der kleine, ungewöhnliche alte Holzkoffer, der ursprünglich einer Nonne gehörte und in den alles reinpassen musste, was sie mit ins Kloster nehmen wollte, füllt sich peu à peu wieder mit Briefmappen.Kommt also gerne rum und schaut euch alles selbst an (Achtung, noch gelten meine Winteröffnungszeiten von Donnerstag bis Samstag). Habt einen schönen, faulen Sonntag!

Frühstück!

Die Tage in der Werkstattgalerie sind jetzt sehr turbulent. Viele Passanten kommen rein, schauen sich meine Drucke an und sind ganz interessiert an den historischen Pressen, den Druckvorgängen und den schönen Schriftenschränken. So ergeben sich immer wieder angeregte Gespräche auch mit anderen HandwerkerInnen und KünstlerInnen. Gestern z.B. waren vier TöpferInnen aus Thüringen da, vor ein paar Tagen eine Holzbildhauerin und eine Kalligrafin. Und überdies bekomme ich wunderbaren Besuch von so spannenden wie lieben Menschen aus allen Teilen Deutschlands aber auch aus Österreich, Spanien, Schottland und Frankreich. Die Tage sind angefüllt mit Geschichten, Austausch und quirliger Lebensfreude.

Heute aber, heute ist ein Schlafanzugtag! Keine Termine, keine Werkstatt, kein gar nix, einfach nur Faulsein – wunderbar! Ich hoffe, ihr könnt an diesem Sonntag auch das süße Nichtstun genießen. Und jetzt: Frühstück!

Auf ein Neues!

Meine ersten Arbeiten in der neuen Werkstatt sind getan: Als erstes ist ein collagierter, zweifarbiger Linoldruck entstanden. Den Hintergrund bildet eine Seite aus einem alten Zoologiebuch.

Ich arbeite sehr sehr gerne an meinem neuen Arbeitsplatz und beobachte dabei immer mal wieder die grünbewachsene alte Mauer vor meinem Fenster, dort gibt es nämlich jeden Tag das reinste Spatzentheater!Dann habe ich den ersten Schwung Tages- & Wochenkalender frisch bedruckt. Schnell sein lohnt sich hier, die Kalender sind sehr beliebt. Und der wunderbare Buchkinder Wandkalender ist auch schon zu haben. Ich freue mich jedes Jahr auf ihn! Auch die von mir heiß geliebten handgearbeiteten Modautaler LederSchachteln von Guido Egert haben wieder ihren festen Platz in meiner Werkstattgalerie gefunden (die Plakatklettern, die vorher in diesem Setzkasten lagen, sind eine Etage tiefer gezogen).Genießt den schönen, schon herbstlich anmutenden Sonntag, ich gehe derweil in meinen alten Laden zum Streichen… Am 29.9. ist die Übergabe.

50/50

Gar nicht so einfach, alles unter einen Hut zu bekommen! Ich versuche grade, meine Zeit in der Werkstatt zu möglichst gleichen Teilen aufzuteilen: Zum einen gibt es für den bevorstehenden Umzug viel, sehr viel vorzubereiten, zum anderen gilt es, den Betrieb am jetzigen Standort so lange wie möglich reibungslos am Laufen zu halten. So zum Beispiel habe ich diese Woche im Hinterhof meines „noch-Ladens“ ein zweites Ladenschild grundiert und lackiert. Es soll in der Unteren Bachgasse 6 über dem Bogen zur Passage angebracht werden (das andere Schild wird dann direkt über meiner neuen Werkstattgalerie hängen).Dann konnte ich mit Glück ein weiteres antikes Kuchenbrett ergattern und habe es mit meiner Lieblingszeile aus dem Gedicht „Morgenwonne“ von Joachim Ringelnatz bedruckt. Auf diesen großen runden Holzbrettern wurden unter anderem Hochzeitstorten serviert (ø 65cm).

Willkommen, bienvenue, welcome!

Ein herzlichen Willkommen all meinen neuen – und alten – Abonnenten! Schön, daß ihr hier seid!

Am Freitag habe ich große, leuchtend orangene Halbsonnen gedruckt und die Blätter auf die Trockenleiste gehängt. Alles gut soweit, bis, ja bis ein Windstoß durch die offene Ladentür hereingefegt ist… Anfänglich tanzten die Drucke noch fröhlich im Luftzug, bis dann die noch feuchten Sonnen aneinander kleben blieben! Ich hatte sie etwas eng gehängt, was ohne Windhauch auch ok gewesen wäre. Der hellorange Schatten neben der Sonne gefällt mir allerdings ausgesprochen gut. Schaun wir mal, was mir zu ihm so einfällt…

Sobald die Sonnen getrocknet sind, wird der mehrfarbige Text für einen Unikatdruck hinzugefügt:Die angemischten Farben erinnern mich so schön an Campino Bonbons, die ich immer noch gerne lutsche (am liebsten mag ich die ganz dunklen – Johannisbeere – glaub ich).

Vom Menschsein

Anlässlich der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus hielt Marcel Reif vergangenen Januar im Bundestag eine bewegende Rede. Er sprach über seinen verstorbenen Vater, einen Shoah Überlebenden, der über seine traumatischen Erlebnisse im KZ nicht reden mochte, obwohl seine Kinder ihn immer wieder danach fragten. Erst nach dem Tod seines Vaters wurde Marcel Reif bewusst, dass dieser eben doch geredet hatte,  indem er nämlich seine Kinder mit dem Ausspruch „Sej a Mensch!“ immer wieder dazu aufforderte, ihr Menschsein nie aus den Augen zu verlieren und mitfühlend und berührbar zu bleiben. Dieser Ausspruch hat mich sehr bewegt und zu dieser Typografik inspiriert.Typografischer Zweifarbdruck auf historischer Weltkarte, collagiert. Gerahmt 60x50cm

Still erleuchtet jedes Haus…

Einen entspannten 2. Advent wünsche ich euch ⭐ Den heutigen Nachmittag werde ich mit einer guten Freundin und Glühwein im Wintergarten verbringen.

Anbei noch Grüße aus der Werkstatt, die vom vielen Drucken mittlerweile so schön nach Ölfarbe riecht. Heimelig irgendwie. Die „Yes“ Typografik, die die letzten Worte des Molly Bloom Monologs aufgreift, habe ich mit meinen historischen Holzlettern auf die letzten Seiten des „Ulysses“ gedruckt. Das Bullauge auf der rechten Seite hingegen gibt den Blick frei auf den ersten Satz des Romans von James Joyce. Gerahmt 60×30 cm.