Gefischtes

Freitags gibt’s ja bekanntlich Fisch:

Die Fotos erzählen vom Entstehungsprozess meiner Linoldrucke. Von der Zeichnung über das Schneiden der Druckplatte bis hin zum fertigen Handdruck. Nach dem Übertragen meiner Zeichnung mittels Blaupapier auf die Linol- oder Holzplatte, wird das Motiv mit sehr scharfen Linolmessern, Vorsicht und großer Konzentration in die Platte geschnitten.

An der Wellenplatte zum Beispiel habe ich 5 Stunden lang gearbeitet… Ein falscher Schnitt, und die Platte ist hin! Sind die Druckplatten nach geraumer Zeit endlich fertig, geht’s ans Mischen der Farbe. Bei den Wellen entscheide ich mich meist für ein besonderes Effektdruckverfahren, den Irisdruck. Hierfür werden verschiedene Farben nebeneinander auf den Farbstein gegeben und dann mit der Handwalze von oben nach unten verrieben. Dadurch entsteht ein Farbverlauf, der bei jedem Druck anders ausfällt und somit jedes Blatt zu einem Unikat macht. Mit der Handwalze wird dann die Druckplatte eingefärbt und Japanpapier aufgelegt, welches mit einem speziellen Glasanreiber mit gleichmäßigem Druck und vorsichtigen Kreisbewegungen auf das Motiv gerieben wird. Ein langer Weg also, bis zum fertigen Handdruck. Slow printing kann man es mit Fug und Recht nennen.

Dieser Prozess wurde auch vom BR in einem Portrait über mich schön eingefangen ➡️ „Die Handdruckerin Susanne Kauth“

Kartonhaus

Ich freue mich über diesen schönen Beitrag über Blinkfüer vom 30. März 2026 auf der Seite von ▶️ „Einkaufen Regensburg“, den ich gestern zufällig im Netz fand.

Ein neuer Regensburg Druck ist entstanden. Diese künstlerische Handgravur habe ich schon vor einer ganzen Weile geschenkt bekommen, kam aber erst jetzt dazu, sie zu drucken. Bin ganz verliebt! Die Signatur ist leider nicht mehr zu entziffern, nur die Jahreszahl 1970 lässt sich noch erahnen.

Gerade ist, für etwa zwei Wochen, der Filmemacher Richard Walther zu Gast in meiner Werkstatt. Für seine bevorstehende Ausstellung Mitte Mai baut er sich hier aus Bergen von Kartons einen Kiosk und einen Raumteiler. Daher ist mein Atelier zur Zeit das reinste Kartonhaus.

Und, zu guter Letzt, habe ich meinen „Nördlichen Sternenhimmel“ um eine zarte, handgeschriebene Zeile ergänzt.

Im Werden

Im ganzen Land öffneten diese Woche unterschiedlichste Werkstätten und Ateliers ihre Türen für die „Europäischen Tage des Kunsthandwerks“ und es kamen einige neugierige BesucherInnen im Blinkfüer vorbei. Wenn auch nicht ganz so zahlreich wie vor vier Wochen zum „Tag der Druckkunst“, so ergaben sich doch sehr interessante Werkstattgespräche mit meinen Gästen und sowohl am Freitag als auch am Samstag wurde es für mich ein später Feierabend.

An meinem jüngsten Linoldruck „Haferzweige“ habe ich weiter gearbeitet und im Werden ist eine Collage auf feinstem japanischem Katazome Papier. Nächste Woche werde ich noch Details hinzufügen und bin selbst schon ganz gespannt, wie sich das Bild noch entwickeln wird.

Jetzt allerdings bleibt meine Atelierwerkstatt erstmal für zwei Tage geschlossen. Der Kaffee ist getrunken, die Pfoten sind geschrubbt und heute gehts endlich mal wieder raus in den Garten (da werden meine Hände dann gleich wieder dreckig bzw. erdig – aber so gehört sich das im Frühling). Winter adé! Herrlich!

Wenn amici echte Freunde sind

Jetzt steht sie da! So viele helfende Hände haben meine Baby Korrex von Berlin nach Regensburg verfrachtet. „Baby Korrex“ – so wird die „Korrex Stuttgart“ tatsächlich genannt, weil sie die kleinste in dieser Baureihe von präzisen Andruckpressen aus den 1960er Jahren ist. Nur 250 Kilo wiegt sie… also quasi ein Federgewicht. Wir haben sie aus der Werkstatt des Druckermeisters Hendrik Liersch (Corvinus Presse) geholt, der für seine Künstlerbücher bekannt ist. Die Druckerei befindet sich in einem verwunschenen Berliner Hinterhof, in dem sommertags sogar Kiwis wachsen.

Richard, der junge Filmemacher, der schon bei meinem Umzug in die neuen Räume so geholfen hat, war tatsächlich extra aus Dresden angereist, um uns beim Verladen der Presse zu helfen! Unglaublich!

Gemeinsam konnten wir das Elefantenbaby dann relativ flott und problemlos in den angemieteten Transporter verfrachten.

Zurück in Regensburg bestand die Herausforderung darin, die Presse aus dem Transporter raus- und dann über das sehr holprige Kopfsteinpflaster in meine Werkstattgalerie reinzukriegen. Und da geht doch wirklich nichts über wunderbare Nachbarschaftshilfe! Chris vom Amici – unserem Lieblingsrestaurant gleich um die Ecke – hat spontan Mitarbeiter zusammengetrommelt und dann haben 6 Männer die Korrex aus dem Auto raus auf einen Hubwagen gehoben. Großartig! Und nach nicht einmal einer Stunde war die Presse dann bei mir eingezogen.

Zwei Tage lang habe ich sie nun geschrubbt und geputzt und jetzt steht sie da, mittendrin und glänzend, bereit für ihren ersten Einsatz.

Im Vorfeld hatte ich mir wirklich große Sorgen gemacht, ob und wie wir das Kind schaukeln werden. Und jetzt war alles gar nicht schlimm. So ist das wohl, wenn amici echte Freunde sind!

staade Zeit

Die staade Zeit Anfang Januar genieße ich sehr! Nach dem Dezembertrubel gibt es jetzt Raum zum Innehalten und Durchschnaufen. So wichtig, um auf neue Ideen zu kommen und Kraft für das kommende Jahr zu sammeln.

Im letzten Monat konnte ich einige wunderschöne alte Buchdruckklischees erwerben, von denen zwei ganz besondere Schätze sind: Ein etwa 150 Jahre alter Heißluftballon aus England (wartet noch auf den ersten Andruck) und eine Fahrradfahrerin aus den 1920er Jahren. Es sind ungewöhnlich große Klischees und ich freue mich riesig über diese Neuzugänge!Die letzten Tage habe ich also Briefpapier für verschiedene Briefmappen gedruckt.

Der Liegestuhl wird noch um einen kurzen Text ergänzt. Das Klischee wurde wohl für Werbezwecke genutzt – der kleine Pfeil unten ist ein Hinweis darauf.

Ich bin so unglaublich dankbar und glücklich über meine wunderschöne neue Werkstatt, dass ich beim Drucken immer mal wieder Freudenhüpfer mache und eigentlich kann ich es immer noch kaum fassen, dass ich jetzt schon seit fast 6 Monaten hier „Zuhause“ bin!

Eine weitere Neuigkeit gibt es noch: Ich bin jetzt Kulturpatin des Regensburger Kulturamts. Seit September gibt es hier ein neues Format: Das RAiR – ein artist in residence Programm. KünstlerInnen aus Regensburger Partnerstädten können sich hier um einen ein- bis dreimonatigen Aufenthalt bewerben, um dann in Regensburg zu wohnen und zu arbeiten. Die für dieses Programm von der Stadt angemieteten Wohnungen sind wunderschön. Sie befinden sich in einer historischen Zinngießerei und sind zentral in der Altstadt gelegen. Ab Mitte Januar werde ich eine Künstlerin aus Zagreb begleiten, ihr Regensburg zeigen, mit ihr auf Vernissagen gehen und vielleicht sogar ein kleines gemeinsames Projekt entwickeln. Wer weiß, ich bin gespannt auf unseren Austausch!

Foto: Stefan Effenhauser, Stadt Regensburg

Die besten Geschenke

Schön langsam wird’s ruhiger im Blinkfüer. Manchmal kann ich jetzt einfach kurz in meinem gemütlichen orangen Sessel sitzen und aus dem Fenster auf mein Gässchen schauen.

Unsere Söhne sind zu Besuch und das ist immer die schönste Freude! Ganz nach dem Motto: Die besten Geschenke sitzen am Tisch und liegen nicht unterm Baum (na, hoffentlich auch am Ende eines langen, fröhlichen Abends nicht…).

Euch allen wünsche ich ein wunderbar entspanntes, frohes und friedliches Weihnachtsfest mit Menschen, die ihr lieb habt. Ich sage euch Danke für eure Treue – schon über so viele Jahre hinweg – und für euer anhaltendes Interesse an meiner Arbeit. Auch danke ich euch fürs Lesen meiner kleinen Werkstattgeschichten. Lasst es euch gut gehen und habt eine schöne Zeit!

Endlich!

Jetzt hat es doch eine geraume Weile gedauert, bis ich vom Denkmalamt die Genehmigung für meine beiden Ladenschilder bekommen habe. Da sich meine Werkstattgalerie in direkter Nähe zum Alten Rathaus und damit im Herzen des denkmalgeschützten Regensburger Altstadtensembles befindet, gibt es viele Auflagen und die Genehmigung war keinesfalls selbstverständlich, zumal das Schild, das in der Unteren Bachgasse vor dem Eingang meiner Passage auf Blinkfüer hinweist, nicht direkt über meiner „Produktionsstätte“ angebracht ist. Aber jetzt ist es geschafft und endlich hängen sie, meine beiden handbedruckten „Nasenschilder“ (so wird diese Art Werbeausleger genannt).

Das wunderbare Kulturjournal Regensburg hat in seiner Dezember/Januar Ausgabe mit einem sehr schönen Text auf meine Werkstattgalerie hingewiesen. Herzlichen Dank dafür!

Und ansonsten heißt es drucken, drucken, drucken was das Zeug hält und ich freue mich jeden Tag darüber, so einen wunderschönen Arbeitsplatz zu haben, der überdies auch noch so schön warm ist – ein ganz ungewohnter Luxus für mich. Über eure so zahlreichen Besuche freue ich mich übrigens mindestens genauso sehr!

Betrachtungen

„Und über uns im schönen Sommerhimmel war eine Wolke, die ich lange sah. Sie war sehr weiß und ungeheuer oben und als ich aufsah, war sie nimmer da.“ Brecht

Heute nur ein kurzer Sonntagsgruß. Während in den neuen Räumen langsam alles Gestalt annimmt, wird unsere Zeit und Energie noch vom alten Standort in der Oberen Bachgasse gebunden. Der Übergabetermin ist am 22.9. und es bleibt noch viel zu tun. In meine neuen Räume allerdings verliebe ich mich jeden Tag aufs Neue und den Umzug habe ich noch keine Minute bereut – obwohl ich auch meine alte Werkstattgalerie sehr gemocht habe. Aber hier ist alles luftiger, freier, heller – und: Ich habe einen sicheren Mietvertrag! Und: Von meinem Arbeitstisch aus kann ich den Spatzen im Efeu zuschauen (einer von ihnen hat mich schon im Laden besucht), oder die Bilder des Regensburger Künstlers Günther Kempf am Orphéeturm betrachten. Alles schön!

Was von der Woche übrig bleibt…

Leider gibt es schon wieder eine große Baustelle vor unseren Läden in der Oberen Bachgasse. Das Straßenpflaster wurde mit einem riesigen Stemmhammer aufgebrochen und durch die Vibrationen hängt jetzt alles ein bisschen schief an der Wand. Aber, wie mein Vater immer sagte: N´beten scheef hett Gott leev!

Ich habe mir das ganze Gekrache und Geschepper dann mit Himbeereis versüßt.

Spaß! Ich finde nur, der Farbton, den ich für den ersten Druckdurchgang einer Neuauflage angemischt habe, sieht direkt nach Himbeereis aus.  Ohnehin denke ich, Rosa ist so eine Alles-wird-gut-Farbe und dann noch Himbeereis! Was soll da schon schief gehen!

Orange ist die zweite Farbe dieser Karte – den Text habe ich aus der halbfetten Elan gesetzt. Diese schöne Schreibschrift von Hans Möhring erschien 1937 bei der D. Stempel AG.

Die Kombination Rosa/Orange erinnert mich an die Farbästhetik der 1970er Jahre. Und der Text passt grade jetzt – kurz vor dem Umzug – so gut zu meiner derzeitigen Situation!

Und zu guter Letzt habe ich mir noch eine Blinkfüer Schablone für mein neues Ladenschild in der Unteren Bachgasse gebastelt. Bedrucken werde ich das Schild heute Nachmittag.