An meinem Handpressendruck „hüpf“ habe ich noch weitergearbeitet und bei der Farbgebung stand mir lebhaft die Ästhetik meiner Kindheit vor Augen.

Handpressen- & Linoldruck, Blinkfüer
Die von mir begleitete kroatische Gastkünstlerin Irena Frantal reist heute wieder zurück nach Zagreb. Das Abschlussprojekt ihrer residency in Regensburg war ein von ihr geführter „slow walk“, also ein achtsamer, fernab der üblichen Touristikrouten auf Details und Unperfektes ausgerichteter Gang durch die Altstadt.
Das waren wunderbar entspannende und entschleunigende zwei Stunden. Nach dem Ende der Führung, schon auf dem Nachhauseweg, konnte ich mein Glück kaum fassen als ich – vor der Dombauhütte stehend – das sonst immer (!!) verschlossene Tor zum Hof der Hütte sperrangelweit offen fand! Ich ZACK rein da! Dieser nichtöffentliche geheime Steingarten ist mir der größte Schatz und die Steinmetze haben mich ganz in Ruhe schauen lassen. Wie von einem Metronom wurden meine Schritte vom leisen und bedächtigen Klopfen eines Meißels begleitet, das aus dem Innern der Hütte zu hören war. 
Als ich letzten Donnerstag nach meiner Mittagspause völlig durchgefroren zurück in die Werkstatt kam, schneite ganz unverhofft die Journalistin Claudia Erdenreich rein und fragte mich, ob ich „so 10 Minuten Zeit“ für sie hätte. Hatte ich und herausgekommen ist dieser schöne kleine redaktionelle Beitrag über Blinkfüer in der Regensburger Zeitung vom 10. Februar (ich hoffe, meine leicht bläulich verfärbten Lippen sind nicht zu erkennen). 


Auch wenn dies einen gewissen Charme hat, so sehne ich mich doch nach mehr Farbe. Darum ist vor zwei Wochen eine großer, fast zwei Meter langer Magnolienast in meine Werkstattgalerie eingezogen. Zunächst voller noch gänzlich geschlossener Knospen, gleicht er mittlerweile einer rosa Wolke und ich habe die größte Freude an seinen wunderschönen Blütensternen!



Für diesen Linolschnitt benutze ich ein spezielles Effektdruckverfahren, den Irisdruck (oder auch Regenbogendruck). Hierfür gebe ich verschiedene Blautöne, Grün und einen Hauch Orange nebeneinander auf den Farbstein und verreibe die Farben von oben nach unten mit der Handwalze, bis sich ein schöner Farbverlauf ergibt. Auf jedem Blatt changiert der Hering nun in verschiedenen Nuancen und jeder Druck wird so zum Unikat.
An meinem jüngsten Linolschnitt, den filigranen Haferzweigen, schneide ich immer noch nach jedem Einfärben Teile aus der Platte heraus, die nicht mitdrucken sollen. Eine Herausforderung, vor allem, weil bei diesen zarten Linien ein falscher Schnitt zum Ruin führen kann!
Bevor nun das Leitmotiv in schwarz gedruckt wird, drucke ich die große neonorangene Sonne.
Orange ist eine meiner Lieblingsfarben (habt ihr wahrscheinlich schon bemerkt), so leuchtend und energiegeladen! Ist die erste Farbe getrocknet, wird die zweite gedruckt. Und, tadaaa, es sind drei schöne, randscharfe Drucke gelungen.
Kommt also gerne rum und schaut euch alles selbst an (Achtung, noch gelten meine Winteröffnungszeiten von Donnerstag bis Samstag). Habt einen schönen, faulen Sonntag!