Licht, Luft und Sonne

Heute gibt es einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit: Seit ich im August in meine neuen Räume in der Passage zwischen Unterer Bachgasse und Vor der Grieb/Haidplatz gezogen bin, lässt mich die Frage nicht los, wie es dort wohl vor der Sanierung durch die Stadtbau GmbH ausgesehen haben mag. Nachdem ich in sämtlichen gängigen Nachschlagewerken gesucht habe und leider nicht fündig wurde, kam ich auf die Idee, einen Fachmann zu fragen. Anfang der Woche schrieb ich also dem Leiter der hiesigen Denkmalbehörde und bat ihn um Hilfe. Und schon am nächsten Tag erhielt ich seine Antwort. Leider gibt es auch beim Denkmalamt kaum etwas über den Zustand der Passage vor der Renovierung Ende der achtziger Jahre. Aber immerhin einen alten Zeitungsausschnitt vom August 1989 habe ich bekommen. Ende der achtziger Jahre war Altstadtsanierung noch recht neu und mich begeistert das damalige Motto „Licht, Luft und Sonne“! So etwa wurde für alle Mieter in diesem sozialen Wohnungsbau eine Gemeinschaftsdachterrasse eingerichtet, die sich direkt über meiner Werkstatt befindet. Während die oberen Photos die Passage mit meiner Werkstattgalerie aus Richtung der Unteren Bachgasse zeigen, so zeigen die unteren Bilder den Zugang der Passage vom Haidplatz aus. Dieses Gebäude war ursprünglich das Rückgebäude.

Im Vorderhaus, welches zur Unteren Bachgasse gehört, wurden bei den Sanierungsarbeiten im 1. Stock Barockmalereien sowie eine gotische Bohlenstube entdeckt. Diese Wohneinheit wurde daher zu einer Ladeneinheit umgewidmet, um so die historischen Besonderheiten einem breiteren Publikum zugängig zu machen. https://www.regensburg.de/welterbe/welterbe-regensburg/1000-denkmaeler

Dieser Ansatz begeistert mich regelrecht, so wie es mich auf der anderen Seite traurig macht, dass immer mehr historische Ladeneinheiten zu Coworking Spaces werden. Die Mieter dieser Räumlichkeiten verkleben die Schaufenster häufig mit blickdichter Folie, um in Ruhe arbeiten zu können und so verschließt sich dann der Blick auf Kreuzgewölbe, mächtige Steinsäulen und Malereien. Welch ein Jammer! Die Stadt kann auf diese Entwicklung nur bei den Gebäuden reagieren, die ihr selbst gehören. Mit ihrem damaligen Ansatz, bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen, wurde verhindert, dass Wohnen in der Altstadt flächendeckend zu einer Luxusangelegenheit wurde.

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